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Bulimie

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Die Bulimie – Bulimia nervosa beim Menschen

Bei der Bulimia nervosa handelt es sich um eine Essstörung, die auch Ess-Brech-Sucht oder kurz Bulimie genannt wird. Bei dieser Störung wird zuerst übermäßig viel kalorienreiche Nahrung zu sich genommen, um danach das Erbrechen selbst auszulösen. Außerdem kommt es zu Medikamentenmissbrauch, so wird nach der Essattacke beispielsweise Abführmittel eingenommen.

Zusätzlich beschäftigen sich die Betroffenen intensiv mit ihrem Gewicht und halten eine strenge Diät. Die Angst vor einer Gewichtszunahme bringt die Patienten vorrangig zu diesen Handlungen. Von der Bulimie sind hauptsächlich Frauen betroffen. Bei 2,5% der 18 bis 35-jährigen kommt eine Bulimie vor, wovon etwa 80% jünger als 22 Jahre alt sind. Bei 50% der Bulimiepatienten, kam es zuvor zu einer Magersucht. Diese sind meist noch normal gewichtig, wodurch sie sich von Magersucht und Binge-Eating-Störung-Patienten unterscheiden. Man unterscheidet zwei Typen von Bulimie. Beim Puring-Typ erbricht der Patient nach der Essattacke oder nimmt Abführmittel ein. Dies ist die häufigere Form der Bulimie. Beim Nicht-Puring-Typ kommt es lediglich zu Essattacken, ohne weitere Handlung. Dieser Typ unterscheidet sich von der Binge-Eating-Störung, bei der Essattacken in Zusammenhang mit Übergewicht und fehlendem Sättigungsgefühl auftreten. Die Unterscheidung zur Magersucht ist sehr schwierig. Beides sind typische Essstörungen. Bei der Magersucht steht der Gewichtsverlust durch Hungern und dadurch resultierendes, starkes Untergewicht im Vordergrund. Ab einem gewissen Untergewicht spricht man von einer Magersucht.

Bulimie-Patienten sind hingegen an der Unteren Grenze des Normalgewichts. Um das Normal- oder Untergewicht zu halten oder herbei zu führen, wird sowohl bei Bulimie, als auch bei der Magersucht gehungert, Abführ- und Harntreibende Mittel eingenommen oder das Erbrechen herbei geführt.

Ursachen der Bulimie – Auslöser in der Familie oder Umwelt

Die Ursachen der Bulimie sind nicht eindeutig einzugrenzen. Hierbei spielen mehrere Faktoren, wie psychologische, familiäre, soziale, biologische, genetische und umgebungsbedingte Auslöser, in der Lebensgeschichte des Betroffenen eine Rolle. Die Essstörung wird von mehreren dieser Faktoren ausgelöst, weswegen es eine multifaktorell herbeigeführte Krankheit ist. Durch nur einen Risikofaktor kann keine Bulimie entstehen, es ist eine Kombination mehrerer Faktoren nötig. Mit verantwortlich für das Entstehen der Bulimie können traumatische Erlebnisse im Laufe des Lebens sein. Dazu gehören schwierige Lebenssituationen, der Verlust einer nahe stehenden Person, sowie körperlicher oder sexueller Missbrauch im Kindes- und Jugendalter. All dies hat eine psychologische Konsequenz, so dass die Bulimie auch dann bestehen bleibt, wenn die Auslöser nicht mehr existieren.

Auch das im Westen verbreitete Schönheitsideal ist ein Faktor, der die Bulimie verstärken kann. Die Konfrontation damit findet täglich anhand der Medien statt, weshalb etwa 20% aller Frauen regelmäßig eine Diät machen, um diesem Ideal zu entsprechen.

Das Selbstbewusstsein wird gestärkt und der Wunsch, schlank zu sein verstärkt sich durch positive Verstärker, wie etwa Komplimente und Respekt. Gerade für junge Frauen entwickelt sich eine Spirale, die sehr schnell zu einer Essstörung führen kann. Familiäre Einflüsse sind beispielsweise gewisse Familienstrukturen und Auffälligkeiten. So wachsen Betroffene oft über behütet auf, leiden unter starkem Leistungsdruck und Konflikte werden oft nicht beseitigt oder gar angesprochen. Dies müssen zwar keine ursächlichen Faktoren für die Bulimie sein, können die Erkrankung aber mit auslösen. Aufgrund der Überbehütung ist zu beobachten, dass Bulimiepatienten oft nicht selbständig werden können. Der biologische Faktor bedeutet, dass Menschen, in deren Familie bereits Bulimie auftritt einen erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Auch der genetisch bedingte niedrige Energieverbrauch ist ein genetisch bedingter Risikofaktor, aufgrund dessen es auch bei niedriger Nahrungsaufnahme zu erhöhtem Körpergewicht kommt.

Welche Symptome treten bei Bulimie auf?

Das bezeichnende Anzeichen für die Bulimie ist das streckenweise übermäßige Essen. Dabei kann bei einer Essattacke bis zu 10.000 Kalorien auf einmal aufgenommen werden. Meist werden sehr kohlenhydrat- und kalorienreiche Lebensmittel, wie Chips, Schokolade, Kuchen, Pudding und andere Süßspeisen gegessen. Mehrmals wöchentlich, bei manchen Betroffenen auch täglich, treten diese Essanfälle auf. Um die enorme Menge an Lebensmitteln zu besorgen, begehen 20% der Betroffenen Ladendiebstahl.

Bulimiepatienten leiden unter der sogenannten Körperschema-Störung. Dies hat zur Folge, dass sie sich dicker wahrnehmen, als sie sind. Betroffene beschäftigen sich zwanghaft mit dem eigenen Körpergewicht und machen ihr Selbstbewusstsein davon abhängig. Um nach einem Essanfall die drohende Gewichtszunahme zu verhindern, wird anschließend das Essen erbrochen, oder harntreibende, bzw. abführende Mittel eingenommen. All dies kann zu physischen Veränderungen führen. Aufgrund des regelmäßig herbeigeführten Erbrechens kommt es zu Karies und zu Hornhaut an den Fingern. Bei Medikamentenmissbrauch kann es außerdem zu Komplikationen im Magen-, Nieren- und Darmbereich kommen. Wegen der sich abwechselnden Essanfälle und der ansonsten strengen Diät kommt es zu starken Gewichtsschwankungen, wobei durchschnittlich das Gewicht im unteren Normbereich bleibt. Es kann zu Vitamin- und Kaliummangel kommen, weswegen Patienten oft Herzrhythmusstörungen haben. Außerdem ist der Elektrolythaushalt gestört. Um den Energiehaushalt herabzusetzen stellt der Körper auf einen geringeren Energieverbrauch um. Dies geschieht durch hormonelle und Stoffwechselveränderungen. Auch auf mentaler Ebene sind Veränderungen zu beobachten. Patientenziehen sich von ihrem sozialen Umfeld zurück und isolieren sich. Um das Selbstwertgefühl trotz diesen Verlustes zu stärken, bemühen sie sich, noch mehr Gewicht zu verlieren, um dem vermeintlich besseren Aussehen nahe zu kommen.

Diagnose der Bulimie durch einen Facharzt

Um eine Diagnose zu stellen werden ausführliche Gespräche mit dem Patienten und nahe stehenden Personen geführt, um ein ausführliches Bild über dessen Essverhalten und Körperwahrnehmung erhalten zu können. Um weitere Persönlichkeitsstörungen ausschließen zu können, werden psychologische Testverfahren angewandt. Bei einer körperlichen Untersuchung, wird die Bulimie festgestellt und physische Folgen diagnostiziert. So werden die Zähne, Speicheldrüse und die Hände begutachtet, die bei einer Bulimie typische Veränderungen aufweisen. Außerdem wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt, sowie, Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen. Anhand einer Blutuntersuchung wird der Elektrolythaushalt und die Nierenwerte kontrolliert. Um eine Herzrhythmusstörung, aufgrund von Kaliummangel diagnostizieren oder ausschließen zu können, wird ein EKG gemacht.

Normaler Weise erfolgt die Therapie ambulant. Bei medizinischen Komplikationen, erneuter Erkrankung oder bei starken psychischen Problemen kann eine stationäre Aufnahme notwendig werden. In erster Linie wird physischen Schäden vorgebeugt oder entgegen gewirkt. So wird der Elektrolythaushalt ausgeglichen, Vitaminmangel entgegengewirkt und Karies behandelt. Hauptaugenmerk wird bei der Behandlung auf die psychischen Störungen gelegt. Um auf langfristiger Ebene Erfolg bei der Behandlung zu erzielen muss ein gesundes Essverhalten neu gelernt werden. Dazu gehört die gesunde Ernährung, mit ausreichend Kalorien, in sinnvoller Zusammensetzung zu bestimmten, festgelegten Zeiten. Besonders wichtig ist die Aufklärung, über die zerstörerischen Auswirkungen, des krankhaften Essverhaltens. Um besonders gute Erfolge zu erzielen werden Belohnungssysteme für den Patienten ausgearbeitet.

Oftmals kann eine Bulimie erst nach fünf Jahren diagnostiziert werden, da die Patienten Strategien entwickeln, um die Krankheit zu verheimlichen. Bei etwa der Hälfte der behandelten Bulimie-Fälle tritt nach 5 jähriger Therapie eine deutliche Besserung auf. 20% der Fälle gelten als teilweise gebessert. Bei weiteren 40% kommt es zu keinem Behandlungserfolg, was meist mit weiteren psychischen Störungen (Depressionen, Ängste, Zwangsstörungen) zusammenhängt.



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